Zinsanlagen über Landesgrenzen hinweg können sich mitunter lohnen. Durch viele einheitliche Rahmenbedingungen wie auch der gemeinsamen Währung eignet sich insbesondere der Euroraum für eine nähere Betrachtung. Nachfolgend sind Direktbanken genannt, die ihren Firmensitz in einem der Euro-Länder haben, keine Niederlassung in Österreich betreiben, aber dennoch Festzinsanlagen bei österreichischem Wohnsitz einrichten.
Für Kunden aus Österreich handelt sich um Auslandsanlagen. Die Vertragsbeziehung unterliegt ausländischem Recht. Die Zinserträge werden ohne Abzug von Steuern ausgezahlt, da sie im Wohnsitzland zu versteuern sind. Der Kunde muss die ausländischen Zinserträge bei der jährlichen Einkommensteuererklärung angeben, was gegenüber dem direkten Abzug der österreichischen Abgeltungssteuer wesentlich aufwendiger ist. Gemäß der EU-Zinsrichtlinie für Auslandskunden in der EU werden Kontrollmeldungen unter den Finanzbehörden ausgetauscht. Ziel dabei ist eine grenzüberschreitende Zinsbesteuerung und der Austausch von Informationen über Kapitaleinkünfte. Banken in Luxemburg führen seit Juli 2011 stattdessen anonym eine Quellensteuer von 35 Prozent ab, also deutlich mehr als die heimische Abgeltungssteuer. Eine Erstattung der zehnprozentigen Differenz erfolgt über das heimische Finanzamt, dem der Anleger auch in diesem Fall verpflichtet ist, die Einnahmen zu deklarieren. Für Überweisungen können die SEPA-Überweisungen genutzt werden. Diese kosten bei korrekten Angaben zum Begünstigten genauso viel wie Inlandsüberweisungen, bei Online-Aufträgen muss der Betrag bereits nach einem Bankarbeitstag auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben sein. Statt Kontonummer und Bankleitzahl sind IBAN (International Bank Account Number) und BIC (Bank Identifier Code) zu verwenden. Für die Identitätsprüfung sind je nach Land unterschiedliche Bestimmungen gültig. Bei den deutschen Anbietern ist meist eine beglaubigte Kopie des Identitätsnachweises einzureichen. Die Beglaubigung erhält man gegen eine geringe Gebühr bei Banken, Stellen des Meldewesens, Notaren, Konsulaten oder Polizeidienststellen. Einige Anbieter nutzen stattdessen bereits das PostIdent-Verfahren der Österreichischen Post.
Die nachfolgende Darstellung ist unterteilt in Festzinsanlagen, die aktiv für den österreichischen Markt angeboten bzw. nur passiv vorgehalten werden. Bei den aktiven Angeboten werden Informationen speziell für österreichische Interessenten auf der Internetseite bereitgestellt, beispielsweise wie diese Kundengruppe sich legitimieren kann. Zu allen im Festzinsanlage-Vergleich auf unserer DE-Seite gelisteten Anbietern haben wir unter "Passiv angeboten" aufgeführt, ob und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen eine Kontoeröffnung bei Wohnsitz in Österreich möglich ist.
BIGBANK bedient aus der Ferne. Unternehmenssitz ist die Stadt Tartu in Estland. Festgeldanlagen bietet die Bank in einer Variante mit jährlicher Zinsauszahlung an und in einer mit Zinsauszahlung am Laufzeitende ohne Zinseszinseffekt. Das Angebot mit jährlicher Zinsauszahlung ist regelmäßig trotz niedrigerer Nominalsätze rentabler, es gelten aktuell: 2 Jahre - 3,30%, 3 Jahre - 4,05%, 4 Jahre - 4,20%, 5 Jahre - 4,40%, 6 Jahre - 4,50%, 7 Jahre - 4,55% und 10 Jahre - 4,60%. Die Mindestanlage beträgt EUR 1.000. Ab einem Anlagebetrag von EUR 10.000 ergibt sich ein Zinsaufschlag von 0,05% gegenüber den genannten Sätzen. Ab einem Anlagebetrag von EUR 100.000 können individuelle Sätze vereinbart werden. Wer Geld anlegen möchte, muss zunächst den Zugang zum Online-Banking beantragen. Eine österreichische Mobilfunknummer ist anzugeben, da später für jedes Einloggen ein Passwort per SMS übermittelt wird. Das PostIdent wird durch die Österreichische Post durchgeführt. Wenn dieses bei BIGBANK eingetroffen ist, kann der Kunde die Festzinsanlage im Online-Banking einrichten. Für die Einlagensicherung ist die estnische Einlagensicherung, der Tagatisfond zuständig. Formell sind über ihn EUR 100.000 je Privatperson gesichert, jedoch stellt sich bei den Sicherungssystemen kleiner Staaten zwangsläufig die Frage, was die Sicherheit im Ernstfall taugt. Estland hat gerade einmal 1,3 Millionen Einwohner. Die Finanz- und Wirtschaftskrise traf das Land hart. Arbeitslosenquote und Inflation sind hoch. Kurzum: Es besteht ein gewisses Risiko. Andererseits ist die Staatsverschuldung gering und man steht wirtschaftlich besser da als die Nachbarstaaten Lettland und Litauen. Im Januar 2011 führte Estland den Euro als Landeswährung ein.
Die Amsterdam Trade Bank, ein Unternehmen der russischen Alfa Bank, ist seit Juli 2011 offen für österreichische Kunden. Hierzu wurde eine Internetseite unter atbank.at eingerichtet. Der Internetauftritt für den österreichischen Markt unterscheidet sich nur an wenigen Textstellen von dem für den deutschen Markt, wo die Amsterdam Trade Bank seit Oktober 2006 vertreten ist. Beide Märkte bedient sie vom Standort in Amsterdam. Für Festzinsanlagen gelten derzeit folgende Sätze: 6 Monate - 1,75%, 9 Monate - 1,75%, 12 Monate - 2,80%, 2 Jahre - 2,80%, 3 Jahre - 3,10%, 4 Jahre - 3,25% und 5 Jahre - 3,50%. Eine Besonderheit liegt darin, dass die Zinsen der Anlage monatlich auf das Tagesgeldkonto bei der Amsterdam Trade Bank, das zuvor zu eröffnen ist, ausbezahlt werden. Zum Laufzeitende wird auch der angelegte Betrag automatisch auf das Tagesgeldkonto übertragen. Die Mindestanlage lautet auf EUR 5.000. Die Identifikation erfolgt gemäß der sogenannten "abgeleiteten Identifikation" nach niederländischem Recht. Das bedeutet, dass die Identität anhand von einzureichenden Kopien von Identitätsnachweis und aktuellem Kontoauszug des Referenzkontos sowie durch eine Aktivierungsüberweisung geprüft wird. Über die niederländische Einlagensicherung der Niederländischen Zentralbank sind Einlagen bis EUR 100.000 je Privatkunde abgesichert.