Teure Energie: EZB erhöht um 0,25 Prozentpunkte

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss am 10.9.26, alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Zum 16.9.26 steigt der Einlagensatz für Bankguthaben über Nacht bei der EZB von 2,25% auf 2,50%. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt von 2,40% auf 2,65%, der Spitzenrefinanzierungssatz von 2,65% auf 2,90%. Es ist der zweite Zinsschritt in diesem Zyklus: Im Juni hob sie die Zinsen an, im Juli pausierte sie.

Nach der Eurostat-Schnellschätzung stiegen die Verbraucherpreise im Euroraum im August um 3,3% gegenüber dem Vorjahr, nach 2,9% im Juli. Energie verteuerte sich um 14,3%, nach 10,3%. Bei der Kerninflation ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak sank die Jahresrate dagegen von 2,5% auf 2,4%. Die neuen Projektionen der EZB sehen im Jahresdurchschnitt eine Kerninflation von 3,0% für 2026, 2,5% für 2027 und 2,1% für 2028 vor. Gegenüber Juni blieb die Prognose für das laufende Jahr unverändert, für die beiden Folgejahre wurde sie angehoben. Selbst 2028 liegt der erwartete Jahresdurchschnitt damit noch leicht über dem 2,0%-Ziel.

Neue Angriffe auf Schiffe und Energieanlagen im Nahen Osten verstärkten Anfang September die Sorge vor weiteren Lieferausfällen. Rohöl der Sorte Brent kostete am 9.9.26 erstmals seit dem 24.7.26 mehr als USD 100,00 je Barrel. Eine baldige Entlastung bei den Energiepreisen ist deshalb unwahrscheinlich.

Die Geldpolitik kann die Knappheit bei Öl und Gas nicht beheben. Sie setzt an der Nachfrage an: Höhere Finanzierungskosten dämpfen kreditfinanzierte Investitionen und Anschaffungen und erschweren es den Unternehmen, gestiegene Kosten über die Preise weiterzugeben. Entscheidend ist nicht allein, wie stark sich Energie verteuert, sondern wie lange das anhält und ob es einen dauerhaften Preisauftrieb in anderen Bereichen entfacht. Anders als 2021/22, als Lieferengpässe, die kräftige Nachholnachfrage nach den Lockdowns sowie geld- und fiskalpolitische Hilfen zusammenwirkten, kommt der Druck diesmal fast allein von der Energie.

Der Zinsschritt zeichnete sich seit dem Sommer ab. Schon im Juli zeigten sich einige Ratsmitglieder offen für eine sofortige Anhebung und verwiesen auf das beschleunigte Kreditwachstum. Das Zinsniveau, so ihr Argument, bremse die Wirtschaft nicht. Der Rat pausierte einstimmig, hielt aber fest: Ein weiterer Schritt werde wahrscheinlich nötig, sofern sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessere. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel legte Ende August nach: Beim derzeitigen Zinsniveau sei eine Rückkehr der Inflation zum Ziel unwahrscheinlich, eine weitere Straffung deshalb erforderlich. Bundesbankpräsident Joachim Nagel nannte den Ausgang Anfang September "relativ absehbar" und verwies auf die Finanzmärkte, die den Schritt zu nahezu 100% einpreisten. Irlands Notenbankchef Gabriel Makhlouf erwartete eine Entscheidung, die niemanden überrasche; restriktiv werde die Geldpolitik erst oberhalb von 2,75%. Das ZEW, das die Äußerungen der Ratsmitglieder auswertet, stufte den Schritt als "klar vorbereitet" ein.

Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft nach revidierten Daten um 0,6% zum Vorquartal. Das verschafft der EZB Spielraum für weitere Schritte, auch wenn die Erholung in den Mitgliedstaaten unterschiedlich stark ausfällt.

Über den weiteren Kurs gehen die Erwartungen in dem unsicheren Umfeld auseinander. In der Reuters-Umfrage vom 31.8.26 bis 3.9.26 erwarteten alle 65 befragten Ökonomen die September-Anhebung. Rund 91% sagten voraus, dass der Einlagensatz anschließend bis Jahresende bei 2,50% bleibt. Die Deutsche Bank und weitere Akteure rechnen inzwischen mit einem zusätzlichen Schritt im Dezember auf 2,75%. Ihre bisherige Prognose von 2,50% beruhte auf einem kürzeren Energieschock und einer schwächeren Konjunktur. Beide Annahmen wurden zuletzt zunehmend infrage gestellt.