Inflationsschub durch Iran-Krieg: EZB hebt die Leitzinsen an

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss auf ihrer Ratssitzung am 11.6.26, alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anzuheben – die erste Änderung nach einjähriger Zinspause. Zum 17.6.26 steigt der für Sparer maßgebliche Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei der Notenbank parken, von 2,00% auf 2,25%. Der Hauptrefinanzierungssatz klettert von 2,15% auf 2,40%, der Spitzenrefinanzierungssatz von 2,40% auf 2,65%. Die Währungshüter reagierten damit auf die Folgen des Kriegs in Nahost: Über die Energiepreise schnellte die Teuerung im Euroraum binnen drei Monaten von 1,9% auf 3,2% hoch. Beunruhigender noch als der Energieeffekt selbst, denn der Preisdruck setzte sich in der Breite fest. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel zog auf 2,5% an, Dienstleistungen verteuerten sich überdurchschnittlich, und immer mehr Unternehmen kündigten in Umfragen Preiserhöhungen an. Genau solche Zweitrundeneffekte wollte der EZB-Rat nicht abwarten.

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte den Schritt zwei Wochen vor der Sitzung offen vorgezeichnet: Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Konflikts habe sich zerschlagen, die Öl-Notierungen lägen über dem Krisenszenario der EZB. Über den Schock hinwegzusehen, sei keine Option mehr – und warte die Notenbank erst auf harte Lohndaten, komme sie unweigerlich zu spät. Auch Joachim Nagel, Präsident der deutschen Bundesbank und damit stimmberechtigt im EZB-Rat, hatte sich früh für ein Anheben ausgesprochen.

Einig war der Rat keineswegs von Beginn an. Noch Anfang Mai standen Nagel sowie dessen Amtskollegen aus Österreich und der Slowakei hörbar vorsichtigere Stimmen gegenüber: Vizepräsident Luis de Guindos verwies auf Wachstumsfolgen des Schocks, die erst noch sichtbar würden, und Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras nannte die Rezessionsfurcht berechtigt. Binnen weniger Wochen drehte sich das Bild: Das ZEW-Institut, das die öffentlichen Äußerungen der Ratsmitglieder systematisch auswertet, verzeichnete einen so schnellen und geschlossenen Schwenk hin zu einer härteren, der Inflationsbekämpfung verpflichteten Linie, wie es ihn in früheren Zinswenden nicht gegeben hatte. Entsprechend klar rechneten die Märkte mit der jetzigen Anhebung, mit zuletzt zu nahezu 100%. Präsidentin Christine Lagarde hatte die Richtung schon nach der April-Sitzung angedeutet, freilich ohne sich festzulegen - sie wisse, wohin die Reise gehe, entscheidend sei die Dauer des Konflikts.

Offen war damit weniger das Ob als der weitere Kurs. Schon im Basisszenario der EZB vom März wurde mit zwei Zinserhöhungen für 2026 gerechnet; an den Märkten ist ein zweiter Schritt im September auf dann 2,50% eingepreist. Komfortabel ist die Lage nicht. Die Wirtschaft im Euroraum wächst kaum, und höhere Zinsen bremsen zusätzlich - der teure Treibstoff belastet Konjunktur und Preise gleichzeitig.