GRAWE-Gruppe übernimmt restliche Anadi Bank
Die Austrian Anadi Bank AG steht vor einem Wechsel in den Besitz der GRAWE Bankengruppe. Am 6.1.26 unterzeichnete die Hypo-Bank Burgenland AG (Bank Burgenland) eine entsprechende Übernahmevereinbarung, wie GRAWE am Folgetag mitteilte. Bank Burgenland ist das Spitzeninstitut der GRAWE-Gruppe und eine regional verankerte Filialbank. Das Closing ist bereits für Februar 2026 angestrebt. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.
Die Komplettübernahme ist der Nachschlag zu einem im September 2024 vollzogenen Teilverkauf. Damals erwarb die Bank Burgenland das Filialgeschäft sowie einen Großteil des KMU-Segments der Anadi Bank – zehn Filialen, rund 42.000 Privatkunden, etwa 250 KMU-Kunden und ein Kreditvolumen von knapp 1,7 Milliarden Euro. Bank Burgenland betrieb die Filialen unter der Marke "Bank Burgenland Kärnten" weiter. Die Anadi Bank hatte das Filialgeschäft schon zuvor abgespalten, um es am Markt anzubieten. Sie wollte sich als Digitalbank neu positionieren – zumindest war das die Darstellung nach außen. Die Außendarstellung der Anadi Bank wirkte in den vergangenen Jahren durchgängig überzogen positiv.
Der britisch-indische Investor Sanjeev Kanoria hatte den Österreich-Teil der infolge von Finanzkrise und Korruptionsaffären abgewickelten Hypo-Alpe-Adria im Dezember 2013 erworben und im Juni 2014 zu Austrian Anadi Bank AG umfirmiert. In den vergangenen Monaten muss die Anadi Bank nochmals erhebliche Turbulenzen durchlebt haben. Der Jahresabschluss zum 31.12.24 weist einen Jahresfehlbetrag von 92,18 Millionen Euro aus. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug minus 88,47 Millionen Euro. Wesentliche Ursache waren Bewertungsberichtigungen und Veräußerungen von Forderungen und Wertpapieren mit einem Saldo von minus 68,25 Millionen Euro.
Im Oktober 2025 entzog der Aufsichtsrat der erst wenige Monate zuvor berufenen Vorstandsvorsitzenden Sonja Heinzl das Vertrauen. Heinzl, die vor ihrer Heirat unter dem Namen Sonja Sarközi über zwei Jahrzehnte hinweg die erfolgreiche Entwicklung der easybank prägte, sollte die digitale Transformation vorantreiben. Doch bei der Anadi Bank blieb der erhoffte Erfolg weiter aus. Vermutlich besteht zudem Aufsichtsdruck, da der mit dem Eigentümer Kanoria verbundene Paraman Trust aus Gibraltar im Mai 2025 eine Patronatserklärung für Kapitalquoten und Liquidität abgab, befristet bis Juni 2026.
Was GRAWE erwirbt
Die Bank Burgenland sichert sich mit der jetzigen Komplettübernahme vor allem zwei wertvolle Assets: Zugang zum öffentlichen Sektor und die Reichweite durch das digitale Privatkundengeschäft. Im Bereich Public Finance umfasst die Transaktion ein Kreditvolumen von rund 450 Millionen Euro mit öffentlichen Rechtsträgern, darunter über 500 österreichische Gemeinden sowie die Abwicklung der Kärntner Wohnbauförderung mit etwa 14.100 Konten. Das Privatkundengeschäft bringt etwa 25.000 Kunden in die Gruppe, inklusive des von der Anadi Bank aufgebauten Tablet-Banking-Modells MARIE, worüber Kunden in Trafiken österreichweit Bankdienstleistungen nutzen können.
Direktbanken unter einem Dach
Für die GRAWE-Gruppe passt das wie ein weiterer Stein in ein schon gelegtes Mosaik: Die Bank Burgenland ist Universalbank, die Schelhammer Capital Bank samt DADAT bedient das wertpapiernahe Geschäft. Seit August 2023 betreibt die Gruppe zudem den Neobroker Traders Place in Deutschland. Und die Anadi Bank ist im Girokonto-, Einlagen- und Online-Kredit-Geschäft aktiv.
GRAWE verfügt somit künftig über zwei Direktbanken auf dem österreichischen Markt: DADAT und Anadi Bank. Eine Integration wird technisch erleichtert, da beide Institute das Kernbankensystem TiGital von Accenture nutzen. Es reduziert Migrationsrisiken, wobei eine gleiche Plattform nicht identische Prozesse oder Datenmodelle bedeutet. Christian Jauk, Vorstandsvorsitzender der GRAWE Bankengruppe, betonte, die Anadi Bank solle eigenständig fortgeführt werden. Ob es aber langfristig dabei bleibt, ist ungewiss. Produktseitig besteht zumindest die beschriebene Rollenverteilung.
Schnelles Closing
Das angestrebte Closing im Februar 2026 ist ungewöhnlich. Es liegt deutlich unter der bei solchen Transaktionen üblichen Dauer von sechs bis zwölf Monaten. Der Prozess beschleunigt sich vermutlich wegen der Vorgeschichte. Durch die 2024 vollzogene Teilübernahme sind technische Schnittstellen vorhanden und die Bücher der Anadi Bank dem Käufer bekannt. Zudem dürfte die prekäre Finanzlage der Anadi Bank die Aufsichtsbehörden dazu bewegen, die Genehmigungsverfahren zu priorisieren.

