Sechste Leitzinssenkung: EZB hält Kurs im politisch unsicheren Umfeld
Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss am 6.3.25 ihre Leitzinsen erneut um 0,25 Prozentpunkte zu senken. Insgesamt hat die EZB seit Beginn des Lockerungszyklus im Juni 2024 damit um 1,50 Prozentpunkte reduziert. Ab dem 12.3.25 beträgt der maßgebliche Einlagensatz, zu dem Banken ihr Geld bei der Notenbank parken können, 2,50% und der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte 2,65%.
Doch während die aktuelle Zinsentscheidung kaum überraschte, ist der künftige Kurs der Geldpolitik offen. Wegen mehrerer neuer Faktoren sind die weiterhin vordergründig kommunizierten Prognosen zu Inflation und Wirtschaftswachstum bereits überholt und könnten zu einer Neubewertung führen. Sorge bereitet die politische Entwicklung. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Folgen der US-Politik unter Donald Trump. Die USA haben ihre Unterstützung für die Ukraine ausgesetzt und Mexiko, Kanada und China mit Zöllen überzogen. Der EU wurden Zölle angedroht. Auf den Beistand der USA können sich die NATO-Verbündeten gegenwärtig nicht verlassen. Deutschland plant nach dem Rückzug der USA die Schuldenbremse zu lockern und ein massives schuldenfinanziertes Investitionsprogramm aufzulegen, für Verteidigung und Infrastruktur. Die Staats- und Regierungschefs der EU kommen zudem heute in Brüssel zusammen, um über mehr Militärhilfe für die Ukraine und die Stärkung der eigenen Streitkräfte zu beraten.
Die Handelsbeschränkungen belasten die Exportwirtschaft im Euroraum. Andererseits besteht die Gefahr, dass sie mittelfristig die Inflation durch höhere Importpreise neu befeuern. Beim schuldenfinanzierten Programm ist noch offen, inwieweit es tatsächlich umgesetzt wird. Die Abstimmung im Bundestag darüber könnte noch zu Kompromissen und Verzögerungen führen. Mittelfristig können die Investitionen für mehr Wachstum sorgen, aber auch inflationäre Effekte haben und die Kapitalmarktzinsen für Staatsanleihen erhöhen.
EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel hat kürzlich eine Debatte über eine mögliche Zinspause oder sogar ein Ende der Zinssenkungen angestoßen. Sie argumentiert, dass sich der Leitzins bereits in der Nähe des sogenannten neutralen Niveaus befinden könnte, bei dem die Geldpolitik weder stimulierend noch bremsend auf die Wirtschaft wirkt. Die Märkte rechnen derzeit jedoch mit mindestens einer weiteren Zinssenkung der EZB bis zum Sommer. Darüber hinaus ist der weitere Verlauf nicht absehbar. Bemerkenswert ist auch die jüngste Entwicklung des Euro-Wechselkurses. Entgegen früheren Prognosen wertete die Gemeinschaftswährung zuletzt gegenüber dem US-Dollar auf und notiert aktuell bei 1,08 US-Dollar.

