Newsbeitrag vom 21.07.2022 |Meldung zum österreichischen Bankenmarkt|

EZB-Zinsanhebung um 0,50 Basispunkte

Die erste Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) seit elf Jahren fällt doppelt so stark aus wie in Aussicht gestellt: Mit Wirkung zum 27.7.22 erhöht die EZB den Leitzins von null auf 0,50% und sie streicht den Negativzins von minus 0,50% für bei ihr geparkte Gelder von Geschäftsbanken. Das gab sie nach ihrer heutigen Entscheidung in Frankfurt bekannt. Des Weiteren erklärte sie, auf den nächsten Zinssitzungen werde eine weitere Normalisierung der Geldpolitik angemessen sein. Den Umstieg auf eine Phase der Zinsanhebungen hatte sie in den vergangenen Wochen mehrmals signalisiert, allerdings mit einem ersten Zinsschritt von zunächst 0,25 Prozentpunkten. Mit dem Entfallen des Negativzinses müssen Banken nicht mehr draufzahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB parken. In Österreich stellten mehrere Banken deswegen ihr Neugeschäft im Einlagenbereich ein. Nun ist davon auszugehen, dass sie mit Zinsangeboten zurückkehren.

Kritiker werfen der EZB vor, die Zinswende viel zu spät einzuleiten. Mit Ausnahme von Japan haben alle anderen bedeutenden Notenbanken längst Zinsanhebungen vorgenommen, um der hohen Inflation dämpfend entgegenzuwirken. Das Inflationsproblem besteht nahezu weltweit, wegen des Krieges in der Ukraine, zusammengebrochenen Lieferketten in der Pandemie und der expansiven Geldpolitik der vergangenen Jahre. Im Euroraum lag die Inflation im Juni bei 8,6%.

An den Anleihenmärkten bleibt die EZB dennoch aktiv. Sie legt ein neues Programm auf, das sogenannte Transmission Protection Instrument (TPI). Es soll dabei helfen, dass die Finanzierungskosten der einzelnen Eurostaaten nicht auseinanderlaufen. Ob das Programm aktiviert wird, werde der EZB-Rat nach Bedarf entschieden. Die Höhe möglicher Ankäufe durch TPI sind nicht beschränkt. Für hochverschuldete Staaten, insbesondere für Italien, war es - unmittelbar nachdem die Zinsanhebung in Aussicht gestellt wurde - teurer geworden, sich Geld zu besorgen. Dies hatte Sorgen vor einer neuen Eurokrise geweckt.