Newsbeitrag vom 09.06.2022 |Meldung zum österreichischen Bankenmarkt|

Austrian Anadi Bank trennt sich vom Analogen

Die Austrian Anadi Bank will sich zur Direktbank wandeln, bzw. in den von ihr verwendeten Formulierungen als "reine Digitalbank weiterwachsen". Sie beabsichtigt ihre zehn Filialen inklusive traditionellem Bankgeschäft meistbietend zu verkaufen. Dem Geschäftsbereich ordnet sie eine Bilanzsumme von rund 2,2 Milliarden Euro und rund 50.000 Kundenbeziehungen zu. Zur Käufersuche startete sie ein Bieterverfahren, unterstützt von der Unternehmensberatung Confidum Financial Management Consultants.

Verbleiben sollen das Eigenkapital, die Banklizenz, eine Bilanzsumme von etwa 500 Millionen Euro, mindestens 100 der zurzeit 230 Arbeitsplätze, rund 10.000 Kunden und der Standort in Klagenfurt. Ihre Zukunft sieht die Austrian Anadi Bank in modernen Bankdienstleistungen, Banking-as-a-Service-Modellen und dem Banking der Marke "Marie", das sie mittels Tablet in Partnertrafiken gebracht hat. Diese bereits vorhandenen Bereiche sollen beschleunigt skaliert und teilweise auch über die Landesgrenzen hinaus in der DACH-Region angeboten werden. Das Potenzial für das Wachstum ergebe sich aus einem hohen Digitalisierungsgrad der entwickelten Prozesse, etwa bei den Online-Ratenkrediten und den Finanzierungsangeboten für den deutschen Mittelstand. "Von der Vollbank mit Fintech-DNA werden wir nun zum Fintech mit Vollbank-DNA", wird Vorstandsvorsitzender Christian Kubitschek in der am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung zitiert.

Gleichzeitig heißt es in der Mitteilung, der Markt habe großen Appetit auf ertragsstarkes traditionelles Bankgeschäft. Man erwarte daher ein großes Kaufinteresse. Festzustellen ist seit Jahren aber eher, dass Banken ihr Filialnetz ausdünnen, um ihre Effizienz zu steigern. Filialen unterhält die Austrian Anadi Bank in ihrer Heimatregion Kärnten und eine in Wien. Das eigene traditionelle Geschäft habe laut der Darstellung sehr geringe Risikokosten und attraktive Margen. Die Hochrechnung für das Jahr 2022 ergebe bei gleichbleibendem Zinsumfeld einen Nachsteuergewinn von bis zu zwölf Millionen Euro. Mindestens 70 Arbeitsplätze würden vom Käufer übernommen. Sollten Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, werde man mit dem Betriebsrat Verhandlungen über einen Sozialplan führen, erklärte Kubitschek. Da es keine Banklizenz dazu gibt, sucht man unter den bestehenden Wettbewerbern nach Interessenten: Das Verfahren werde nunmehr mit dem Versand "eines Teasers und verbindlicher Verfahrensregeln an eine ausgewählte Anzahl heimischer Banken eröffnet". Die ersten indikativen Angebote sollen schon bis Ende Juli abgegeben sein. Danach werde man den Bieterkreis verkleinern. Ein Vertragsabschluss ist für das dritte Quartal 2022 angestrebt.