Information zur
Bigbank AS

  • Hausanschrift
  • Riia 2
    51004 Tartu
    Estland
  • Kontakt
  • Telefon: +43800900629
  • E-Mail: kundenservice@bigbank.at
  • Internet:
  • weitere Daten
  • BIC: BIGKEE2TXXX
  • Gruppe/Gesellschafter: 50,00% Parvel Pruunsild, 50,00% Vahur Voll
  • Gründungsjahr: 2009
  • Banktyp: Direktbank
  • Einlagensicherung: Ist dem Tagatisfond (gesetzliche Einlagensicherung in Estland) angeschlossen. Je privatem Einleger und zugeordnetem Kreditinstitut sind hierüber Einlagen bis EUR 100.000 abgesichert.

Der Name Bigbank steht für Balti Investeeringute Grupi Pank – Baltische Investmentgruppen-Bank. Im Widerspruch zum Namen ist es ein kleines, aber wachstumsstarkes Institut. Banksitz im rechtlichen Sinne, gemäß Handelsrigistereintrag, ist Tartu, Estlands zweitgrößte Stadt. Die operative Zentrale befindet sich jedoch mittlerweile in der Hauptstadt Tallinn. Das Unternehmen nahm im September 1992 den Betrieb als Konsumkreditfinanzierer auf. Die Banklizenz erhielt es im September 2005 von der estnischen Finanzaufsicht. Bis 2008 verwendete das Unternehmen die Kurzform BIG.

Ab 2007 expandierte Bigbank ins Ausland. In Lettland, Litauen, Finnland, Schweden und Bulgarien unterhält sie Filialen oder Niederlassungen. Das Geschäftsmodell folgt einer geografischen Logik: In den Ländern mit physischer Präsenz liegt der Fokus auf Konsumfinanzierung, wo sich bei kleinen Kreditsummen vergleichsweise hohe Zinsen erzielen lassen. In großen Ländermärkten mit niedrigem Zinsniveau sammelt Bigbank hingegen die Einlagen ein. In Deutschland bietet sie seit August 2009 Festgelder an, in Österreich seit Februar 2010 und in den Niederlanden seit Januar 2012 – jeweils ohne Präsenz vor Ort. Der europäische Binnenmarkt ermöglicht dies. Kreditinstitute, die in einem EU-Mitgliedstaat zugelassen sind, benötigen in anderen EU-Mitgliedstaaten keine gesonderte Zulassung. Für den deutschsprachigen Raum betreibt die Bank einen DE- und einen AT-Internetauftritt sowie eine deutschsprachige Telefonhotline. Im April 2020 erweiterte Bigbank in Deutschland und Österreich, im Mai 2020 in den Niederlanden ihr bisheriges Ein-Produkt-Sortiment um ein Tagesgeldkonto. Die Bank refinanziert sich seither größtenteils über diese Einlagen. Schuldverschreibungen, die zeitweise an den Börsen in Stockholm und Tallinn notiert waren, konnte sie zurückfahren.

Bigbank gehört je zur Hälfte den Gründern Parvel Pruunsild und Vahur Voll. Veräußert einer der Gründer seine Anteile oder ergibt sich ein Nachfolgeszenario, könnte sich die Ausrichtung verschieben. Pruunsild, in Estland als einflussreicher Unternehmer und Unterstützer der konservativen Partei Isamaa bekannt, führte den Aufsichtsrat bis Juli 2023 und zog sich anschließend aus den Leitungsgremien zurück, ist aber weiterhin 50%-Eigentümer.

Im November 2024 stufte die estnische Zentralbank die Bigbank als systemrelevant ein. Ihr Anteil am estnischen Bankensektor lag Ende 2023 bei 4,3%. Zwar sichert die gesetzliche Einlagensicherung in Estland EUR 100.000 je Privatperson ab, doch bei Sicherungssystemen kleiner Staaten bleibt fraglich, wie belastbar der Schutz im Ernstfall wäre. Estland ist der nördlichste der drei baltischen Staaten, zählt knapp 1,4 Millionen Einwohner und führte den Euro im Januar 2011 ein. Trotz Skepsis gegenüber der Einlagensicherung stieg das Einlagenvolumen durch das Mitteleuropa-Geschäft deutlich.

Das Angebot für den österreichischen Markt weicht in der Regel von den Zinskonditionen des Angebots für den deutschen Markt ab – tendenziell liegen sie etwas niedriger. Anleger beantragen zunächst den Zugang zum Online-Banking. Beim Registrieren verlangt Bigbank eine österreichische Mobilfunknummer, da Passwort und mTANs per SMS verschickt werden. Als Identifizierungsverfahren steht in Österreich ausschließlich VideoIdent über die Deutsche Post bereit; kein PostIdent, weil die Deutsche Post hierzulande kein Filialnetz betreibt. Ist der Anleger identifiziert, sendet Bigbank die Kunden-ID spätestens am nächsten Werktag per E-Mail und das Passwort per SMS. Erst über das Online-Banking können Anleger einen Tagesgeld- oder Festgeldvertrag abschließen. Die Einzahlung läuft per Überweisung auf ein estnisches Konto der Bigbank. Da in Estland keine Quellensteuer anfällt, gehen die Zinserträge ungekürzt ein. Steuereinfach ist das Angebot für Anleger in Österreich dennoch nicht: Bigbank behält die österreichische KESt nicht ein, weshalb die Anleger die Zinserträge selbst über die Einkommensteuererklärung versteuern müssen.

Ob das Geschäftsmodell trägt, hängt unter anderem von der Kreditqualität in den jungen Portfolios für Unternehmens- und Immobiliendarlehen ab. Attraktive Zinsanlagen sprechen für Bigbank - die Risiken liegen im raschen Wachstum, der Eigentümerstrukur und der ungewissen Belastbarkeit des estnischen Einlagensicherungssystems im Krisenfall.