Newsbeitrag vom 20.10.2022 |Meldung zum österreichischen Bankenmarkt|

Livebank.at kündigt Tagesgeldkunden

Bei Livebank.at ist der Tagesgeldzins im Bestandsgeschäft nach fünf Jahren bei 0,10% aufgrund der Kopplung an den 3-Monats-Euribor per 1.10.22 auf 0,77% hochgeschossen. Jetzt will Livebank.at diese Verträge loswerden. Den Tagesgeldkunden schickte sie ein Kündigungsschreiben, bietet darin den Umstieg auf eine neue Zinsklausel an. Zu den Gründen kommuniziert sie wenig schlüssig, sie kündige, weil es wegen der geänderten Marktsituation in den vergangenen Monaten Rückgänge bei den Volumina gegeben habe, viele Kunden auf alternative Veranlagungsprodukte wechseln würden. Offensichtlich ist: Mit der bisherigen Zinsklausel hätte es bei der Zinsentwicklung an den Geldmärkten für die Bank teuer werden können und mit der neuen Zinsklausel holt sie sich nahezu vollständige Entscheidungsfreiheit über die Zinshöhe zurück. Es sind ausschließlich Bestandskunden betroffen, denn ihr Neugeschäft hatte Livebank.at schon im Juli 2021 eingestellt. Seitdem bietet sie keinen Abschluss von Einlagekonten mehr an; ob sie das je wieder aufnimmt, ist ungewiss.

Für die Bestandskunden, die die neue Zinsklausel akzeptieren, wird das Konto weitergeführt, ab 1.1.23 gelten für sie sodann 0,11%, fix für das erste Quartal 2023. Andere Tagesgeldbanken bieten deutlich mehr. Kunden, die es nicht akzeptieren, werden nach Auslaufen der für das vierte Quartal 2022 geltenden Zinsfestschreibung aufgrund der bankseitigen Kündigung ab 1.1.23 keine Verzinsung mehr bekommen. Livebank.at wird ab diesem Zeitpunkt keine Einzahlungen bzw. Einzüge mehr entgegennehmen bzw. ausführen, von sich aus vorerst aber auch nicht auflösen. Bis Jahresende 2023 habe der Kunde dann noch per Online-Banking die Möglichkeit, eine Auszahlung seines Guthabens auf das Referenzkonto anzuweisen.

Ausschnitt aus Konditionenblatt der Livebank.at

Ausschnitt aus Konditionenblatt gültig im Zeitraum 1.10.22 bis 31.12.22. So wird der Tagesgeldzins anhand des 3-Monats-Euribors ermittelt.

Ausschnitt aus Konditionenblatt der Livebank.at

Ausschnitt aus Konditionenblatt gültig im Zeitraum 1.1.23 bis 31.3.23 für Kunden, die der Umstellung aktiv zustimmen. Über die Höhe des Tagesgeldzinses entscheidet weitgehend die Bank von Quartal zu Quartal, mittels dem freiwilligen Bestandteil.

Die beiden Zinsklauseln: Bei den bisherigen Verträgen war der Basiszins der Livebank.at an den 3-Monats-Euribor gekoppelt, einem Geldmarktsatz. Zudem hatte sie in früheren Zeiten manchmal einen freiwilligen Zinsbonus gewährt. Der 3-Monats-Euribor war beim vorherigen Anpassungstermin, dem 1.7.22, noch negativ - minus 0,195%. Zwischenzeitlich nahm die Europäische Zentralbank Leitzinsanpassungen vor, am 1.10.22 betrug der 3-Monats-Euribor dann 1,173%. Gemäß den Bedingungen rundet die Livebank.at auf volle 1/100-Prozentpunkte und zieht 0,40 Prozentpunkte ab. Weniger als 0,10% durfte der ermittelte Zinssatz laut den Bedingungen aber nicht ergeben. Bei den neuen Verträgen ist der Basiszins stets 0,01%. Livebank.at kann freiwillig einen Zinsbonus gewähren, im ersten Quartal 0,10%, sodass sich im Gesamten die 0,11% ergeben.

Aufgebaut wurde Livebank.at ab April 2007 als bundesweite Direktbank von der Volksbank Kufstein. Tagesgeld und Festgeld waren die Produkte, mit denen sie für Aufsehen sorgte. Später ordnete sich der Genossenschaftssektor neu, Livebank.at durchlebte mehrere Eigentümerwechsel und landete im Juli 2015 bei der Volksbank Wien. Unter der jetzigen Eigentümerin fielen die Zinsangebote gegenüber den Wettbewerbern stark zurück und eine Weiterentwicklung war kaum noch auszumachen.